Samstag, 14. September 2013

Da bin ich ja wieder!

Lange habe ich schon nichts mehr geschrieben! Viel Arbeit? Das auch! 

Aber wir haben am 02.08 die furchtbare Nachricht erhalten das mein kleiner Bruder sich am 01.08 in seinem Urlaub das Leben genommen hat. Jetzt sind fast 6 Wochen vorbei und endlich kann ich das alles aufschreiben. 
Ich war zu nichts mehr in der Lage- als ob der Körper und der Geist in eine seltsame Starre fällt. Man beginnt nur noch zu funktionieren- alles andere ist irgendwie undenkbar weit und unerreichbar. Es ist nicht wie in Watte umhüllt- denn Watte ist wunderbar weich und kuschelig. Es ist irgendwas anderes fieses, was einen lähmt. 
Die erste Reaktion auf den Schock meines Körpers war eine wunderbare Gallenkolik- ich glaube besser (oder eher passender) hätte der Schmerz sich nicht ausdrücken können. 

Und dann beginnt das Hirn zu arbeiten und am Ende bleibt nur eine große Frage übrig: WARUM???

Eine Antwort darauf werden wir wohl leider nie finden. Es gab keine Anzeichen dafür, er war ein gut aussehender, im Beruf sehr erfolgreicher und sportlicher Mensch. Es gab nie Anzeichen dafür, das er mit sich oder irgendwas am hadern war. Oder schwere Depressionen hatte. Er liebte das Leben, er liebte die Sonne, er war ein sehr offener und grundehrlicher Mensch! Immer hilfsbereit und für andere da. 

Er war aber auch ein furchtbarer Dickkopf der Diskussionen lieber aus dem Weg ging, als sich dem zu stellen. Er mochte keinen Streit. 

Leider ist es aber so, dass seine Freundin (die dieses schreckliche Geschehen miterlebt hat) uns die Wahrheit über den Abend verwehrt. Die Kenntnis über seine möglichen letzten Worte, das Wissen über das was er an diesem Tag gemacht hat. Sie ist die einzige, die die Wahrheit kennt (das sagt sie uns auch so) und sie wird die Wahrheit für sich behalten. 

Ist das nicht egoistisch? Und einfach nur unfair? Haben wir als Familie nicht ein Recht darauf zu erfahren was wirklich vor Ort passiert ist? Wie alles abgelaufen ist? 

Das einfach schlimmste für mich ist, das sie meinen Bruder nach seinem Tod einfach nur durch den Dreck zieht. Tut man das? Tut man das mit jemandem den man (angeblich) so sehr geliebt hat und der nun nicht mehr da ist? Das die Beziehung nicht mehr glücklich war und eine Trennung unausweichlich gewesen ist- das weiß ich. Aber was für Hemmungen müssen von einem Menschen abfallen das man so schlecht über jemand anderen spricht? Über jemanden der einem alles, aber auch wirklich alles bezahlt hat? Von essen bis zu den vielen kostspieligen Reisen?! Der einen überall hingefahren hat, der einen und die Familie ausgestattet hat? Und der eigentlich wichtige Gedanke nach dessen Tod ist, wer nun finanziell für den weiteren Lebensweg aufkommt?

Glaubt mir, in solch einer Situation haben sich menschliche Abgründe aufgetan von denen ich nicht ahnen konnte, das es sie gibt. 

Es hat 2,5 Wochen gedauert bis mein Bruder aus Ägypten überführt worden ist- dann noch mal etwas über eine Woche bis wir ihn endlich beerdigen durften. Diejenigen die unfassbar stark und tapfer an diesem Tag waren, waren unsere Eltern. Und ich als Mutter vermag nicht nachempfinden wollen wie sehr das schmerzt sein eigenes Kind beerdigen zu müssen! 

2,5 Wochen habe ich jede Nacht von ihm geträumt- mit dem Tag der Einäscherung haben die Träume aufgehört. Ich hoffe, er hat jetzt seinen Frieden. Ich hoffe, er ist jetzt frei und glücklich. Und ich weiß, das meine Kinder einen wunderbaren Schutzengel haben der ab jetzt für immer auf sie aufpasst...viel mehr als sonst

Michael, ich habe dich so wahnsinnig liebt. Und er jetzt wird mir deutlich, wie wichtig du mir gewesen bist. Wie seelenverwandt wir doch eigentlich waren. Wie viel Scheiß wir durchlebt haben als Geschwister und später als Erwachsene. Scheinbar warst du aber doch nicht so stark wie ich gedacht habe. Und jeden Moment denke und hoffe ich, das ich dich durch die Tür kommen sehe und du lachst, als ob nie was anderes passiert wäre! 

Pass auf auf dich! Und flieg bloß nicht so schnell. 


Kommentare:

  1. Liebe Natalia ,meine aufrichtige Anteilnahme .

    Ich weiß, dass in diesen Momenten, nichts die Schmerzen aus deinem Herzen nehmen kann. Doch ich möchte, dass du weißt, dass ich in Gedanken bei dir bin.

    Karin

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  2. Es ist ein wenig seltsam, das er sich ,bis auf wenige Stunden, genau drei Jahre nach Julie auf die Reise gemacht hat....

    Frieden finden, ankommen im Licht....

    Ich finde dieses wunderbare Gedicht des Dichters Joseph von Eichendorff einen schönen Gedanken

    Mondnacht
    Es war, als hätt' der Himmel
    Die Erde still geküsst,
    Dass sie im Blütenschimmer
    Von ihm nun träumen müsst'.

    Die Luft ging durch die Felder,
    Die Ähren wogten sacht,
    Es rauschten leis' die Wälder,
    So sternklar war die Nacht.

    Und meine Seele spannte
    Weit ihre Flügel aus,
    Flog durch die stillen Lande,
    Als flöge sie nach Haus.

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  3. Fühl dich umarmt!!!
    Nina

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  4. Liebe Natalia,
    ich kenne dich und deinen Bruder nicht, aber mir hat es die Tränen in die Augen getrieben ...
    Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft und vielleicht doch irgendwann Antworten auf eure quälenden Fragen.
    Liebe Grüße
    von Andrea

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